Der Widerstandskiosk (2026)
Leuchttafel, doppelseitig | Format: 70×120 cm
Mit der beidseitigen Bespielung des Leuchtkastens an der Fürstenriederstr. 46 wirft die Künstlerin Cora Piantoni mit Der Widerstandskiosk ein Schlaglicht auf das politische Engagement von Margot und Ludwig Linsert im Widerstand gegen das NS-Regime in den 1930er-Jahren und in demokratischen Institutionen nach 1945. Fotografie und Text zeugen von ihrer widerständigen Arbeit und ihrem Einsatz für die Demokratie.
Margot und Ludwig Linsert gehörten dem Internationalen Sozialistischen Kampfbund ISK an, einer Widerstandsgruppierung der Arbeiterbewegung. Die Linserts betrieben an der Fürstenriederstr. 46 in München-Laim ein Lebensmittelgeschäft, das von 1933 bis 1938 eine wichtige Anlaufstelle für Widerstandskämpfer:innen war. Hier gaben sie Informationen weiter und halfen ISK-Mitgliedern bei der Flucht oder beim Untertauchen. Das Erkennungszeichen der Gruppe war die Frage nach einem nicht mehr gebräuchlichen Produkt - dem Hutzucker - sowie das Ablegen von Münzen in einer bestimmten Formation.
Das Ehepaar druckte mit einem Abziehapparat unter der Bettdecke Flugblätter und verteilte sie in den frühen Morgenstunden in den Arbeiter:innenvierteln sowie vor Fabriken im Münchner Westen. Gemeinsam mit anderen ISK-Mitgliedern entlarvten sie mit ihren Flugblättern die Propaganda des NS-Regimes und brachten antinazistische Parolen als Schriftzüge im öffentlichen Raum an. Für letzteres wendeten sie eine Technik mit Silbernitrat an, bei welcher der nachts angebrachte Aufruf erst am nächsten Morgen bei Einwirkung des Tageslichts sichtbar wurde.
Das Verteilen von Flugblättern und das Verbreiten von Informationen war eine extrem riskante und mutige Unternehmung, denn es drohten lange Haft oder sogar die Todesstrafe. Ludwig Linsert wurde 1938 festgenommen und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Getarnt als unwissende junge Mutter konnte Margot Linsert der Verhaftung entgehen und arbeitete bis 1943 weiter in ihrem Lebensmittelgeschäft.
Als ehemalige Widerstandskämpfer:innen und engagierte Mitglieder der SPD waren die Linserts nach 1945 wichtige Protagonist:innen beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft im Nachkriegsdeutschland. Wie viele Mitglieder des ISK wirkten sie an der Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbunds DGB sowie der Neugründung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands SPD mit. Ludwig Linsert war ab 1950 DGB-Kreisvorsitzender und von 1958 bis 1969 DGB-Landesvorsitzender. Darüber hinaus war er Mitglied des Bayerischen Senats (1956 bis 1969) und Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten (1969 bis 1971).
Bildnachweis: Album der Familie Linsert,ab 1932, in: Nachlass Margot und Ludwig Linsert, 34.2.3, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung
Zitatnachweis: Archiv der Münchner Arbeiterbewegung, Zeitzeugen-Interview mit Margot Linsert,
geführt von Wolfgang Peschel, 1991.
Quellen: Bestand Margot und Ludwig Linsert, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung
Bestand Katrin Seybold, Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, ED 973/197
Kulturgeschichtspfad München-Laim, Kulturreferat der Landeshauptstadt München, 2009
file:///Users/itz/Downloads/KulturGeschichtsPfad-25-Laim.pdf
Archiv der sozialen Demokratie, Friedrich-Ebert-Stiftung
Margrit Grubmüller/Kurt Lehnstaedt: Linsert, Margot (publiziert am 08.02.2024), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/linsert-margot-510
Margrit Grubmüller/Kurt Lehnstaedt: Linsert, Ludwig (publiziert am 16.01.2025), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/linsert-ludwig-509
Der Widerstandskiosk (2026)
Leuchttafel, doppelseitig | Format: 70×120 cm
Mit der beidseitigen Bespielung des Leuchtkastens an der Fürstenriederstr. 46 wirft die Künstlerin Cora Piantoni mit Der Widerstandskiosk ein Schlaglicht auf das politische Engagement von Margot und Ludwig Linsert im Widerstand gegen das NS-Regime in den 1930er-Jahren und in demokratischen Institutionen nach 1945. Fotografie und Text zeugen von ihrer widerständigen Arbeit und ihrem Einsatz für die Demokratie.
Margot und Ludwig Linsert gehörten dem Internationalen Sozialistischen Kampfbund ISK an, einer Widerstandsgruppierung der Arbeiterbewegung. Die Linserts betrieben an der Fürstenriederstr. 46 in München-Laim ein Lebensmittelgeschäft, das von 1933 bis 1938 eine wichtige Anlaufstelle für Widerstandskämpfer:innen war. Hier gaben sie Informationen weiter und halfen ISK-Mitgliedern bei der Flucht oder beim Untertauchen. Das Erkennungszeichen der Gruppe war die Frage nach einem nicht mehr gebräuchlichen Produkt - dem Hutzucker - sowie das Ablegen von Münzen in einer bestimmten Formation.
Das Ehepaar druckte mit einem Abziehapparat unter der Bettdecke Flugblätter und verteilte sie in den frühen Morgenstunden in den Arbeiter:innenvierteln sowie vor Fabriken im Münchner Westen. Gemeinsam mit anderen ISK-Mitgliedern entlarvten sie mit ihren Flugblättern die Propaganda des NS-Regimes und brachten antinazistische Parolen als Schriftzüge im öffentlichen Raum an. Für letzteres wendeten sie eine Technik mit Silbernitrat an, bei welcher der nachts angebrachte Aufruf erst am nächsten Morgen bei Einwirkung des Tageslichts sichtbar wurde.
Das Verteilen von Flugblättern und das Verbreiten von Informationen war eine extrem riskante und mutige Unternehmung, denn es drohten lange Haft oder sogar die Todesstrafe. Ludwig Linsert wurde 1938 festgenommen und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Getarnt als unwissende junge Mutter konnte Margot Linsert der Verhaftung entgehen und arbeitete bis 1943 weiter in ihrem Lebensmittelgeschäft.
Als ehemalige Widerstandskämpfer:innen und engagierte Mitglieder der SPD waren die Linserts nach 1945 wichtige Protagonist:innen beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft im Nachkriegsdeutschland. Wie viele Mitglieder des ISK wirkten sie an der Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbunds DGB sowie der Neugründung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands SPD mit. Ludwig Linsert war ab 1950 DGB-Kreisvorsitzender und von 1958 bis 1969 DGB-Landesvorsitzender. Darüber hinaus war er Mitglied des Bayerischen Senats (1956 bis 1969) und Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten (1969 bis 1971).
Bildnachweis: Album der Familie Linsert,ab 1932, in: Nachlass Margot und Ludwig Linsert, 34.2.3, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung
Zitatnachweis: Archiv der Münchner Arbeiterbewegung, Zeitzeugen-Interview mit Margot Linsert,
geführt von Wolfgang Peschel, 1991.
Quellen: Bestand Margot und Ludwig Linsert, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung
Bestand Katrin Seybold, Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, ED 973/197
Kulturgeschichtspfad München-Laim, Kulturreferat der Landeshauptstadt München, 2009
file:///Users/itz/Downloads/KulturGeschichtsPfad-25-Laim.pdf
Archiv der sozialen Demokratie, Friedrich-Ebert-Stiftung
Margrit Grubmüller/Kurt Lehnstaedt: Linsert, Margot (publiziert am 08.02.2024), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/linsert-margot-510
Margrit Grubmüller/Kurt Lehnstaedt: Linsert, Ludwig (publiziert am 16.01.2025), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/linsert-ludwig-509